Jüdische Wolfenbütteler - Jüdische Erinnerungskultur wird konterkariert!

Fortsetzung Synagoge

Chronik der Ereignisse anhand von Zeitungsmeldungen, Leserbriefen und derzeit zur Verfügung stehenden Dokumenten:

Die Harzstraße in alter und neuer Zeit
Wolfenbütteler Kreisblatt 10.2.1909

Zur Geschichte der Wolfenbütteler Samsonschule
“Nachdem Philipp Samson schon 1781 eine Synagoge in einem Nebengebäude anstelle des bisherigen Beetsaales errichtet hatte, begründete er 1786 unter der Regierung des Herzogs Karl-Wilhelm-Ferdinand in diesem Hause (Harzstraße 12) als eine Religionsschule die spätere Samsonschule.“
Schulze, Hans, Separatdruck aus: Zeitschrift für die Geschichte der Juden. 1966,1, entnommen dem Manuskript des Autors, ca. 1964.

Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wolfenbüttel
“Nachdem er schon 1781 eine Synagoge in einem Nebengebäude anstelle des bisherigen Betsaales errichtet hatte, begründete 1786 Philipp Samson mit Kapitalien aus der “Milden Stiftung“ seines 1767 verstorbenen Vaters Samson Gumpel in dem Hause (Harzstraße 12) eine Religionsschule.“
Braunschweigisches Jahrbuch 1968, Seite 61

Bildung für Staatsbürger jüdischen Gaubens
Erwähnung des Hauses Harzstraße 12 mit der Talmud-Thoraschule in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Wolfenbüttel von J. König, 1970, Seite 127.

Hinter der Harzstraße gab es einst eine Synagoge
Der Hofbankier Samson Gumpel gründete sie

Wolfenbütteler Zeitung, 3.9.1977

Kirchen und Kapellen
“Die Synagoge der seit 1691 in Wolfenbüttel lebenden jüdischen Gemeinde lag wohl seit 1791 in der Harzstraße (siehe Nr. 12). Die neue Synagoge von 1893 in der Lessingstraße wurde 1938 zerstört.“
Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Wolfenbüttel, 1983, Seite 18.

Schreiben von Stadtheimatpfleger Ralf Busch an Dr. Ernest Boas am 1.11.1984
(...) “Wegen der Finanzierung der Tafel (Es handelt sich um eine Gedenktafel für den jüdischen Friedhof. J.K.) halte ich es nicht für klug, im Augenblick mit der Stadt darüber zu sprechen. Wir haben im Moment ein anderes neues und schwerwiegendes Problem, das uns mehr beschäftigt. Der Eigentümer des Hauses Harzstraße 12 hat das Anwesen soeben verkauft, und der neue Besitzer plant den Abbruch der Synagoge, wobei er von der Baulobby kräftig unterstützt wird. Wir haben in diesen Tage alle Hände voll zutun, um hier das schlimmste zu verhüten, und ich weiß im Augenblick noch nicht, wie sich die Dinge entwickeln werden. Noch heute Vormittag soll eine weitere Konferenz stattfinden, und daher bin ich in Eile.“ (...)

Schreiben von Stadtheimatpfleger Ralf Busch an Dr. Ernest Boas am 2.8.1985
(...) “In der Harzstraße wird die ehemalige Synagoge leider nun doch baulich verändert, daß von ihrem einstigen religiösen Charakter nichts mehr zu spüren sein wird. Für eine andere Lösung haben sich weder die Mittel noch interessierte Mieter finden lassen. Allerdings werden die Malarbeiten so verkleidet, daß sie keinen Schaden leiden und in zukünftigen Zeiten gegebenenfalls wieder freigelegt werden können.“ (...)

Heute um 17 Uhr: Führung durch ehemalige Synagoge
Braunschweiger Zeitung, 16.8.1985

Ist die Wolfenbütteler Synagoge noch zur retten?
Offener Brief zur Rettung der Synagoge

Wolfenbütteler Zeitung, 19.8.1985

Wolfenbüttels älteste Synagoge wird “beerdigt
(Bürger empört – Öffentliche Mittel zur Restaurierung fehlten)
Braunschweiger Zeitung, 19.8.1985

Offener Brief
“Wir wurden als Bürger der Stadt sachlich über die bedrohliche Entwicklung durch die Vertreter der Denkmalpflege informiert, bei der ein erhaltenes Denkmal jüdischen Glaubens in unserer Stadt vernichtet wird, denn die beruhigende Erklärung, daß die Wandmalereien durch Gipsplatten verdeckt und damit erhalten würden, befriedigt doch wohl keinesfalls. Sind bei dieser Sachlage nicht alle verantwortungsbewussten Bürger unserer Stadt und die politischen Gremien aufgerufen, sofort mit allen Mitteln Rettungsmaßnahmen einzuleiten? Wenn vor einem halben Jahrhundert wertvolles Kulturgut durch böswillige Intoleranz vernichtet wurde, sollten wir im Jahre 1985 aus Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit nicht schweigen, wenn – diesmal aus wirtschaftlichen Erwägungen – ein Kulturdenkmal angeblich nicht erhalten werden kann. Es geht um Wolfenbüttels älteste erhaltbare Synagoge! Dr. Wolfgang Kelsch.“

Moralische Pflicht
Nach der Besichtigung der Synagoge fand sich eine Gruppe von acht Personen zusammen, die einen offenen Brief schrieb und am Sonnabend Unterschriften für das historische Objekt sammelte. An nur einem Tag kamen 111 Unterschriften zusammen. Politiker, Fachleute, ausländische Besucher der Bibliothek und viele interessierte Einwohner stimmten spontan dem Aufruf der Gruppe zu. Die Initiatoren: Ulrich Thiele und Julia Mech-Thiele, Georg und Gudrun Kynaß und Barbara Schmutzler aus Wolfenbüttel sowie Marian Adler und Andrea Giffhorn-Adler aus Atzum, Wilfried Knauer und Hans Schaper aus Apelnstedt schreiben, sie seien fassungslos, daß dieses Bauwerk nicht als “Stätte des ehrfurchtvollen Gedenkens und der Sühne“ erhalten werden konnte, und bitten die Verantwortlichen dringend, die geplanten Baumaßnahmen umgehend auszusetzen. Sie empfinden, so heißt es in dem Brief, die Anstrengung zur Erhaltung der Synagoge als eine moralische Pflicht. kk“

Tagebucheintrag Jürgen Kumlehn 19.8.1985
“K. vom Braunschweiger Landesmuseum ruft mich an und informiert darüber, daß die Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge im Landesmuseum läge und demnächst wahrscheinlich dort wieder aufgebaut wird. Zu Busch und seinem zögerlichen Verhalten zum Nationalsozialismus meint, er wisse nicht, ob er nur nachlässig sei oder sich bewusst so verhalte. Zumindest wolle er noch weitere Karriere machen und sei deshalb möglicherweise vorsichtig.“

19.8.1985
Antrag der Kreistagsfraktion der Grünen Bürgerliste für die Sitzung des Ausschusses für Bauwesen, Umwelt- und Naturschutz am 4.9.1985
Tagesordnungspunkt: Erhaltung von denkmalgeschützten Baudenkmalen.
Antrag:
- sich für die Erhaltung der Wolfenbütteler Synagoge einzusetzen- sich für die Erhaltung der ehemaligen Hinrichtungsstätte im Wolfenbütteler Gefängnis einzusetzen.
Den Oberkreisdirektor zu beauftragen
- zu überprüfen, in welcher Weise der Landkreis Wolfenbüttel im Zusammenhang mit der Erhaltung der Wolfenbütteler Synagoge hilfreich tätig sein kann.
- einen Katalog zu erstellen, in dem alle im Landkreis Wolfenbüttel unter Denkmalschutz stehenden Objekte erfasst sind. Dieser Katalog soll im Anhang um die Liste von Objekten erweitert werden, die für eine Unterdenkmalstellung vorgeschlagen worden sind.

Begründung:
Nur durch Einschalten der Öffentlichkeit ist es gelungen, die Aufmerksamkeit auf die bisher nicht bekannte Existenz einer alten Synagoge in Wolfenbüttel zu lenken und erst auf diesem Weg Bürger und Politiker zu motivieren, konkrete Schritte für die Erhaltung dieser Synagoge zu unternehmen. Der zuständigen Stadtverwaltung war es offenbar nicht gelungen, die Bedeutung dieser Angelegenheit über die ausschließlich baulichen Fragen hinaus zu erkennen. Zumindest einigen Bürgern scheint es glücklicherweise klar zu sein, daß die Frage der Erhaltung einer Synagoge mit sehr viel Sensibilität und Blick auf die erst vier Jahrzehnte zurückliegende Bedrohung des jüdischen Volkes zu behandeln ist.
Die Behandlung dieser Frage durch die Stadt Wolfenbüttel macht deutlich, daß es nicht ausreichend ist, derartige Vorgänge dem formalen Bürokratismus zu überlassen. Es darf doch nicht irgendwelchen Zufällen überlassen bleiben, daß bedeutende Baudenkmale eine sachgerechte Förderung erfahren. Daher müssen Überlegungen angestellt werden, wie Vorgänge um z.B. die Erhaltung der Synagoge in Zukunft verhindert werden können. Obwohl der Landkreis Wolfenbüttel formal für die Erhaltung der Synagoge und auch der ehemaligen Hinrichtungsstätte im Wolfenbütteler Gefängnis nicht zuständig ist, haben die Verwaltung und die Kreistagsabgeordneten jedoch die moralische Pflicht, sich mit der Gefährdung dieser historischen Gebäude zu befassen.
Beide Gebäude befinden sich schließlich im Landkreis Wolfenbüttel.
Jürgen Kumlehn“

Bürger und Parteien setzen sich für den Erhalt der Synagoge ein
Braunschweiger Zeitung 20.8.1985

Die Rettungsaktion “Synagoge“ hat begonnen
Wolfenbütteler Zeitung 20.8.1985

Geldspende für Erhaltung der Synagoge
Stellungsnahme der Aktionsgemeinschaft Altstadt

Wolfenbütteler Zeitung 20.8.1985

Synagoge als Erinnerungsstätte nutzen
Wolfenbütteler Zeitung 21.8.85

Zurückhaltung auferlegen
Träger sind erforderlich
Das Thema Synagoge in zwei Ausschüssen

Wolfenbütteler Zeitung 22.8.1985

Erste Sitzungen und konkrete Termine zum Thema “alte Synagoge“ geplant
Braunschweiger Zeitung 22.8.1985

Es ist sinnvoll, nach Celle zu schauen
Wolfenbütteler Zeitung 23.8.1985

Landkreis soll auch tätig werden
Braunschweiger Zeitung 23.8.1985

Schreiben von Christel Schuran MdL an Minister Cassens
23.8.1985

Synagoge in Celle als Beispiel nehmen
Braunschweiger Zeitung 23.8.1985

Denkmalschutzbehörde erwirkte Baustopp
Wolfenbütteler Zeitung 23.8.1985

Kein “Baustopp“ – aber Arbeiten am Hinterhaus vorläufig ausgesetzt
Braunschweiger Zeitung 24.8.1985

Die Bürgerinitiative startet Unterschriftenaktion
Wolfenbütteler Zeitung 24./25.8.1985

Tagebucheintrag Jürgen Kumlehn 25.8.1985
“In Hornburg sehe ich mir den jüdischen Friedhof an. Er muß ein paar Tage vorher gemäht worden sein. Ohne System liegen Grabplatten auf dem Gras. Sie sind fast alle überwuchert. Offenbar kümmert sich niemand um den Friedhof. Der Eingang besteht aus einer modernen Metalltür und sieht aus wie der Einlass zu einem Schrebergarten. Auf dem offiziellen Stadtplan ist er nicht verzeichnet. Er liegt in der Judengasse.
In einer kleinen Chronik der Stadt finde ich einen Satz über die ehemalige jüdische Gemeinde, die schon einige Jahre vor den Nazis nicht mehr bestand. Sind die Hornburger Juden vergessen – oder sind sie wegen der Nazigeschichte aus dem Bewusstsein gefallen?“
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(Ab 2001 untersuchte eine Göttinger Forschungsgruppe die Grabsteine auf dem Hornburger Friedhof. Neben Pflegearbeiten wurden die Grabsteine in Kiesbetten eingebettet. Literatur: Schulze, Peter, Mit Davidsstern und Menora“, in: Regionale Gewerkschaftsblätter, Heft 18)

Engagement ist auch als Sühnezeichen zu verstehen
Braunschweiger Zeitung 26.8.1985

Mit Resonanz sehr zufrieden
Wolfenbütteler Zeitung 26.8.1985

Tagebucheintrag Jürgen Kumlehn 26.8.1985
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„Ich rufe die BZ-Redakteurin an und mache sie auf den jüdischen Friedhof in Hornburg aufmerksam und versuche ihr zu vermitteln, daß die Erhaltung der Wolfenbütteler Synagoge nur Fragment bliebe, wenn nicht auch an die frühere Hornburger jüdische Gemeinde mit ihrem fast vergessenen Friedhof berücksichtigt würde. Sie ist zunächst etwas vorischtig und berichtet dann von Leserreaktionen auf die tägliche Synagogen-Berichterstattung: Die BZ wolle wohl ihr Sommerloch füllen.“

Tagebucheintrag Jürgen Kumlehn 27.8.1985
“Ralf Busch empfängt mich in seinem Büro im Dachgeschoß. Er spricht ununterbrochen, sodaß ich kaum selber etwas sagen kann. Eine Diskussion über die konträren Ansichten z.B. zu Veröffentlichungen im Landkreis-Heimatbuch ist daher kaum möglich. Busch beschreibt die Schwierigkeiten, die ihm durch Politiker und Verwaltungen gemacht werden, besonders wenn es um die Zeit des Nationalsozialismus geht. Anhand einiger Beispiele besonders im Zusammenhang mit der Stadt Wolfenbüttel und ihrer Politiker – er nimmt keine Partei aus – berichtet er, wie seine Tätigkeit zurchtgestutzt wird. Er geht nicht darauf ein, warum er nicht viel stärker Position bezieht und z.B. die Öffentlichkeit berücksichtigt Er erzählt mir von einem bevorstehenden Besuch eines ehemaligen Zwangsarbeiters aus Belgien, der in einem Lager am Wolfenbütteler Bahnhof untergebracht war. Seitens der Stadt habe man ihm signalisiert, nicht die Presse einzuschalten und mit ihm schon gar nicht das Rathaus zu besuchen.
Ich stutze, denn ich erinnere mich an meinen Tagebucheintrag vom 19.8.: Ich rufe zum dritten Mal Niemann in der Stadtverwaltung an, um ihn nach Adressen ausländischer Gruppen zu befragen, die bisher die Hinrichtungsstätte besucht haben. Helmut Kramer hatte mich darum gebeten.
Er hatte mir versprochen, in städtischen Unterlagen nachzusehen – und war erfolglos geblieben. Mein Eindruck ist allerdings, dass er mich abwimmeln will. Er rät mir, den Bund der Heimkehrer in Wolfenbüttel anzurufen. Die hätten Kontakt mit mindestens einer Gruppe.“

Besitzer der Synagoge erbat sich Bedenkzeit
Sondersitzung >Synagoge“: CDU beauftragte Dr. Dorow

Wolfenbütteler Zeitung 27.8.1985

Erst besser informieren
Thema “alte Synagoge“ im Moment in einem Vakuum

In dem Artikel heißt es u.a.: “ Auf die Frage, wie es passieren konnte, daß Haus N. 12 zum Sanierungsprojekt erklärt wurde, ohne daß die Ratsmitglieder von der Synagoge im Hinterhaus gewusst haben, meinte Busch, die Beteiligten hätten es demnach versäumt, sich genau zu informieren. Er selber sei über diese Sache erst unterrichtet worde, als die Sanierung längst im Gang war.“
Braunschweiger Zeitung 27.8.1985

Erhaltenswerte Teile an anderem Ort unterbringen
Braunschweiger Zeitung 27.8.1985

“Die Wolfenbütteler sind aus dem Sommerschlaf erwacht“
Der NDR berichtete in der “Umschau“ über die Synagoge

Wolfenbütteler Zeitung 28.8.1985

Erhalten reicht nicht aus
Bürgerinitiative sprach mit Bürgermeister und Stadztdirektor

Braunschweiger Zeitung 29.8.1985

“Die Synagoge ist verdeckt gewesen“
Wolfenbütteler Zeitung 29.8.1985

“Synagoge geht die Geschichte der Stadt an“
Braunschweiger Zeitung 29.8.1985

Kaum einer wußte noch von der Synagoge im Hof
Frankfurter Rundschau 29.8.1985

Wie läuft es woanders?
Das Beispiel Rendsburg

Wolfenbütteler Zeitung 30.8.1985

Künstlerhaus mit Werkstatt, Vorträge und Konzerte in Synagoge Rendsburg
Braunschweiger Zeitung 31.8.1985

Ein Mäzen der alten Synagoge wurde mit Naziliedern empfangen
Hannoversche Allgemeine Zeitung 31.8.1985

Jüdische Gemeinde Braunschweig gab Stellungnahme ab:
Begrüßen alle Bemühungen um die Synagoge

Braunschweiger Zeitung 2.9.1985

Andenken an eine Zeit der Toleranz
Braunschweiger Zeitung 3.9.1985

Leserbriefe
Synagoge am Ort erhalten

Wolfenbütteler Zeitung 3.9.1985

Tagebucheintrag Jürgen Kumlehn 27.8.1985
“Die Diskussion ging weitestgehend nicht um die Erhaltung der Synagoge sondern darum, wer Schuld daran hat, dass die Problematik erst so spät bekannt wurde. Dorow verteilte an Busch eine eindeutige Schuldzuweisung, die sehr peinlich war. Es kam heraus, dass die in der Stadtverwaltung arbeitenden Menschen die Frage der Synagogen rein vom Baurecht her betrachtet haben. Die politische und kulturhistorische Bedeutung war nicht erkannt worden. Natürlich haben auch Ratsmitglieder geschlafen und die Problematik aus den ihnen zugestellten Unterlagen nicht begriffen. Aber auch Ralf Busch, dem die Existenz der Synagoge seit Jahren bekannt war, hat die Öffentlichkeit nicht unterrichtet.
Die Politiker der drei Ratsparteien SPD, CDU und FDP waren besonders darüber aufgebracht, dass Busch sie nicht informiert hatte. Niemand hat Busch dafür gedankt, dass er es wenigstens jetzt gemacht hat, auch dafür bekam er noch Kloppe.
Als fast nunwürdig kann man die Rolle des Stadtdirektors Riban bezeichnen, der aufgeregt immer wieder Spannung in die Diskussion brachte, weil er Busch mehrfach unterbrach und ihn immer wieder attackierte und die Schuld auf ihn abwälzte. Beonders peinlich die Rolle von Dorow, der die Diskussion ständig sachlich halten wollte aber selber immer wieder unsachlich wurde. Gerade Riban und Dorow entfachten durch ihre unerträglichen Redebeiträge ungewünschte Emotionen.
Riban versuchte mehrfach, die öffentliche Sitzung zu schließen, um in iner nichtöffentlichen Sitzung im engen Kreis weiterdiskutieren zu können. Das wurde dann auch so gemacht. Ein Paar Tage später rief mich ein Ratsherr an, der an der nichtöffentlichen Sitzung als Ratsherr hatte teilnehmen können und teilte mir mit, der Hausbesitzer habe kaum zu erfüllende finanzielle Forderungen erhoben. Als Möglichkeit böte sich jedoch eine Übetragung der Synagoge an den Zweckverband Heimatmuseum an.“

“Rat und Verwaltung unzureichend informiert“
Stadtdirektor Riban versuchte zu beschwichtigen – Herbe Vorwürfe an die Adresse von Dr. Ralf Busch
“Was ist jetzt zu tun?“
Reinhard Odenstein sprach sich für Sachdiskussion aus

Wolfenbütteler Zeitung 4.9.1985

Betroffene beraten in einer Woche über Schicksal der alten Synagoge
Braunschweiger Zeitung 4.9.1985

Niederschrift der Sitzung des Ausschusses für Bauwesen des Wolfenbütteler Kreistages 4.9.1985
Punkt 4 TO: Erhaltung von denkmalgeschützten Baudenkmalen, Antrag der Grünen Bürgerliste

OKD Dr. Koneffke verweist auf die vorliegende Zuständigkeit der Stadt Wolfenbüttel. Er führt aus, daß dort Überlegungen angestellt werden, wie eine Erhaltung der Synagoge erfolgen kann. Eine Erhaltung scheint sicher, lediglich über Art und Weise bestehen unterschiedliche Meinungen. Sobald die Stadt an den Landkreis herantritt, werde man selbstverständliche reagieren.

Kabg. Rock wirft die Frage auf, ob nicht hier zunächst eine Zuständigkeit der jüdischen Gemeinde gegeben ist.

In der sich anschließenden Diskussion, an der sich insbesondere die Kabg. Otte, Scheliga sowie Vorsitzer Fricke beteiligten, stellt sich im Ergebns eraus, daß zunächst abgewartet werden soll, bis an den Landkreis herangetreten werde. Vorsitzer Fricke unerstreicht ausdrücklich, daß diese Haltung keine negative Wertung des vorliegenden Antrages beinhalte. Hier solle ganz einfach nur so lange abgewartet werden, bis von der zuständigen Ebene an den Landkreis herangetreten werde.“

Nach einer weiteren Aussprache über die Gedenkstätte JVA und über ein Denkmalschutzkataster wird der Antrag der Grünen Bürgerliste einstimmig von der Tagesordnung wegen nicht gegebener Zuständigkeit abgesetzt. Die Absetzung führte dazu, dass der Antrag in der folgenden Sitzung des Kreisausschusses am 9.9.1985 nicht auf der Tagesordnung stand und nicht mehr beraten wurde.

Kein Kommentar
Wolfenbütteler Zeitung 5.9.1985
“Auch der Bauausschuß des Landkreises sollte sich gesten zur Erhaltung der Synagoge äußern, so war es zumindest der Wunsch der Grünen Bürgerliste. Der Kreis solle einmal grundsätzlich seine Bereitschaft erklären, Hilfestellung – auch finanziell –zu leisten, wünschte sich Hilmar Nagel von den Grünen. Dazu wandte Oberkreisdirektor Dr. Hartmut Konefke ein: “Unmittelbar zuständig, die Synagoge als Baudenkmal zu erhalten, ist die Stadt Wolfenbüttel ... Wir müssen die Überlegungn der Stadt Wolfenbüttel abwarten, um darauf zu reagieren.“ Ausschussvorsitzender Fricke (SPD) fasste die Ausschussmeinung zusammen: “Wir sollte nicht vor der zeit in einen schwebenden Prozeß eingreifen.“ So blieb eine konkrete inhaltliche Diskussion aus. ds“

Wortgefechte ersetzen nicht die Lösung
Braunschweiger Zeitung 5.9.1985

Fachgremium gab keine Empfehlung zur Synagoge
Braunschweiger Zeitung 6.9.1985

200 Jahre alte Synagoge wurde wiederentdeckt
Am Montag Gespräch über mögliche Restaurierung

Wolfenbütteler Zeitung 7.9.1985

Als Lessingstadt Erbe erhalten
Ein Leserbrief des Leiters des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, Professor Dr. Herbert Strauss.
Braunschweiger Zeitung 9.9.1985

“Sehe nur einen Wert darin, wenn die Stadt dahinter steht“
Stellungnahme von Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen.
Braunschweiger Zeitung 9.9.1985

“Stadt muß Synagoge zurückkaufen“
Grüne nehmen Stellung zur Kultur- und Bauausschusssitzung
Wolfenbütteler Zeitung 9.9.1985

“Großes Interesse an der Synagoge“
Vizepräsident und Generalsekretär der American Federation of Jews from Central Europe, New York, Dr. Herbert A. Strauß, schrieb an die WZ
Wolfenbütteler Zeitung 9.9.1985

Pfarrer für Synagoge
Konferenz spricht sich für Erhaltung aus
Wolfenbütteler Zeitung 9.9.1985

Verwaltungsausschuß empfiehlt Zwecksberbandsgründung
Wolfenbütteler Zeitung 10.8.1985

Verwaltungsausschuß empfiehlt Trägerschaft und Förderverein
Braunschweiger Zeitung 10.9.1985

Wolfenbüttel ist ein Begriff für jeden modernen Juden in Israel
Evangelische Pfarrer sprachen sich für Synagoge aus
Braunschweiger Zeitung 10.9.1985

“Einige Unrichtigkeiten“
Stadtdirektor Helmut Riban will Informationen versachlichen

Einblick in die Geschichte der Juden
Dr. Busch sprach vor dem Wolfenbütteler Frauenring
Braunschweiger Zeitung 11.9.1985

Synagoge ist Thema
Wolfenbütteler Zeitung 14.9.1985

Ehemalige jüdische Mitbürger begrüßen Synagogenerhaltung
Stellungnahmen von Lieselotte Boas-Reis und Claire Doblin (Pohly).
Wolfenbütteler Zeitung 17.9.1985

Leserbriefe zum Thema Synagoge
Braunschweiger Zeitung 19.9.1985
Dr. Ing. Ernest Boas: Die Anerkennung haben sie verdient
Lieselotte Bosa-Reis: Das letzte Zeugnis
Claire Doblin (Pohly): Plädoyer für die Synagoge

Synagoge der Nachwelt erhalten
Ein Brief von Siegfried Kirchheimer aus New York
Wolfenbütteler Zeitung 25.9.1985
“Es ist mir, der ich einst mit zum Vorstand der jüdischen Gemeinde der Stadt gehört habe, nicht als jüdischer Mensch allein an der Erhaltung der alten im Hintergrunde fast versteckten Synagoge gelegen, sondern im Sinne des Historischen, an dem gerade Wolfenbüttel so reich ist und bewundert wird. Das hat für mich nicht allein als “Jüdisches“ seinen Wert, sondern als Wolfenbüttelerisches.“

Tora-Rolle aus Magdeburg
Wolfenbüttel im Spiegel der Landesausstellung
Wolfenbütteler Zeitung 29.9.1985

Ansatz für Stadt- und Kreisheimatmuseum erhöht
Ehemalige Synagoge soll öffentlich zugänglich gemacht werden
Landkreis will mitziehen
Wolfenbütteler Zeitung 1.10.1985

Geld für Synagoge bewilligt
Braunschweiger Zeitung 1.10.1985

Für Erhalt der Synagoge
Wolfenbütteler Zeitung 7.10.1985
“Die katholischen Gemeinden Wolfenbüttel bitten Rat und Verwaltung der Stadt Wolfenbüttel, Möglichkeiten zu finden, die alte Synagoge zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus dem Bewusstsein der Gemeinsamkeit im Glauben von Juden und Christen halten sie es für ihre Pflicht, dafür einzutreten, daß dieses Zeugnis jüdischen Lebens in unserer Stadt gerettet wird und als Mahnmal für die heutige und kommende Generationen offen steht.“

Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kunst 29.11.1985
Brief an Christel Schuran Mdl, Grüne
“Das Gebäude Harzstraße 12 in Wolfenbüttel ist einschließlich des Hintergebäudes mit der ehemaligen Synagoge ein Baudenkmal nach § 3 Abs. 2 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes. Dieses Gebäude ist daher im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten in seinem Denkmalwert zu erhalten. Die in dieser Angelegenheit geführten Verhandlungen und Gespräche haben inzwischen ergeben, daß der Zweckverband Stadt- und Kreisheimatmuseum Wolfenbüttel bereit ist, den Synagogenanteil des Hintergebäudes für 30 Jahre zu pachten und die Restaurierung in eigener Trägerschaft zu übernehmen. Die Stadt Wolfenbüttel wird für den gleichen Zeitraum die Erdgeschoßwohnung des Hintergebäudes mieten. Dadurch werden Voraussetzungen geschaffen, daß eine museale Nutzung der Synagoge ermöglicht wird.
Unter diesen Voraussetzungen wird das Land das Vorhaben auf Antrag in das kulturelle Zonenrandförderungsprogramm aufnehmen.
Ich hoffe, daß damit eine zufriedenstellende Lösung erreicht werden kann.
Dr. Johann-Tönnjes Cassens“

Die Synagoge ist gerettet
Wolfenbütteler Zeitung 30.11.1985

Vortragsthema war die Synagoge
Vortrag von Ralf Busch vor dem Historischen Arbeitskreis zur Erforschung Wolfenbüttels
Braunschweiger Zeitung 17.1.1986

Synagoge als Zeugnis gemeinsamer Geschichte
Wolfenbütteler Zeitung 17.1.1986
Sorge um Erhaltung der Synagoge
Wolfenbütteler Zeitung 5.3.1986

Vertragsunterschrift soll die Tür zur ehemaligen Synagoge öffnen
Planungsbüro sieht keine Schwierigkeiten mehr

Synagoge wird nun Wohnung
Braunschweiger Zeitung 14.5.1986
“Gescheitert sind nach rund achtmonatigen Verhandlungen die Bemühungen der Stadt Wolfenbüttel, die jüdische Synagoge aus dem 18. Jahrhundert im Hinterhaus an der Harzstraße der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Wie die Stadt Wolfenbüttel am Dienstag in einer Erklärung bekanntgab, konnte mit dem Hauseigentümer keine Einigung über einen langfristigen Mietvertrag und die erforderlichen Nebenbedingungen erzielt werden. In dem Stadttext heißt es unter anderem, es sei “bis an die Grenze des für die Bürgerschaft Zumutbaren und Vertretbaren“ verhandelt worden.

“Jetzt haben wir das kulturpolitische Desaster“
Stadtdirektor Helmut Riban: Wir konnten uns nicht über die Miethöhe, den Besucherkreis und die Besuchertage nicht einigen.“
Wolfenbütteler Zeitung 15.5.1986
Zitate:
Karl-Heinz Ganzauer, Vorsitzender des Kreis-Kulturausschusses: “Man kommt sich ja nach den langwierigen Verhandlungen im Landkreis vor wie ein detscher Junge.“
Renate Naske, Stadtverband Grüne: “Ich bedaure sehr, daß sich die Vertreter der Stadt vom Eigentümer des Hauses haben übertölpeln lassen. Meines Erachtens hatte die Stadt die besseren Karten. Die Synagoge hinter Wänden zu sichern, nützt überhaupt nichts. Da kann ich sie meinen Kindern nicht zeigen.“
Ulrich Thiele, Mitglied der Bürgerinitiative, der von der Stadt stetige Informationen zugesichert worden waren: “Wir haben von Seiten der Stadt seit dieser Zusicherung nichts Konkretes gehört. Auch vom Scheitern der Verhandlungen sind wir bisher nicht unterrichtet worden.“
Dr. Wolfgang Kelsch: “Für mich ist die Sache gelaufen. Das wird von der Stadt mit einem Achselzucken erledigt.“
Ortsheimatpfleger Dr. Ralf Busch: “Die Substanz bleibt erhalten, auch wenn das Baudenkmal verpackt wird. Ein historisches Zeugnis hat Zeit. Es wird eines Tages wiederentdeckt werden können.“

Nicht wiedergutzumachen!
Wolfenbütteler Zeitung 16.5.1986
Stellungnahme der Initiative zur Rettung der alten Wolfenbütteler Synagoge:
(...) “Die Haltung des Besitzers mag inkonziliant genug gewesen sein. Er hat sich in sehr unschöner Weise die Situation zunutze gemacht, daß er die Bedingungen stellen konnte. Nicht fianzielle Fragen waren allerdings zum Schluß mehr offen, sondern die Regelung der Besuchszeiten und der Besucherzahlen. Nun kann sich die Stadt rühmen, standhaft gegenüber den als unwürdig empfundenen Forderungen gewesen zu sein – um den Preis der Synagoge. Ist dabei auch genügend bedacht worden, daß überhaupt nur durch das seinerzeit verschenkte Vorkaufsrecht der Stadt das Haus Harzstraße 12 mit der Synagoge in Privatbesitz befindlich ist? Ein Versäumnis dieser Art ist nicht dadurch wiedergutzumachen, daß man endgültig die Tür zuschlägt.“

Das Projekt hätte nicht scheitern dürfen
Braunschweiger Zeitung 16.5.1986

Mit Bedauern
Braunschweiger Zeitung 17.5.1986
Aktionsgemeinschaft Altstadt zur alten Synagoge
(...) “Gelegenheit, Entscheidendes zu tun, war da, man hat einfach nichts unternommen.“

Trauriges Ergebnis beschämend
Wolfenbütteler Zeitung 17.5.1986

Synagoge muß erhalten bleiben
Initiative schrieb offenen Brief an Stadtdirektor
Wolfenbütteler Zeitung 22.5.1986
(...) “...daß die Stadt Wolfenbüttel und die Denkmalpflege peinlich genau darüber wachen werden, daß die Synagoge tatsächlich erhalten wird und nicht durch bauliche Eingriffe beschädigt oder zerstört wird. Wir bitten um Bekanntgabe des Wortlautes der Auflagen, die dem Eigentümer des Gebäudes Harzstraße 12 gemacht wurden.
.... daß an den Stadtratsbeschluß vom 30.9.1985 festgehalten wird, “die Synagoge auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich“ zu machen. Wir bitten die Stadt Wolfenbüttel darum, verbindlich zu erklären, daß sie die für die Zukunft – sollte sich die Gelegenheit ergeben – ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen und erneute Verhandlungen über einen Ankauf bzw. gegebenenfalls Anmietung anstreben wird.
Wir bitten um eine öffentliche Stellungnahme.

Die “Beerdigung“ der Synagoge geschah vor mehr als zwanzig Jahren. Obwohl alle Beteiligten für die Erhaltung der Synagoge waren, konnte das Desaster nicht aufgehalten werden. Wolfenbütteler Bürger waren noch nicht stark genug, sich vorwärtsschauend mit der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus gegen aufhaltende Mächte der Stadt erfolgreich durchzusetzen.

Am 19. September 1988 veröffentlichte die Wolfenbüttel diesen Leserbrief von mir, nachdem der gerade errichtete Gedenkstein für die Synagoge geschändet worden war:

“Es wird womöglich immer unklar sein, welche Beweggründe Menschen dazu geführt haben, den Gedenkstein für die Wolfenbütteler Synagoge zu beschädigen und zu besudeln. Egal ob es politische Absicht war, das Gedenken an die Pogromnacht zu bespeien oder provozierender Zerstörungstrieb: Die Tat wird in die Liste vieler anderer Handlungen aufgenommen werden müssen, mit der Stadt und Landkreis Wolfenbüttel ihre distanzierte Haltung zur Geschichte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dokumentieren.
Wolfenbüttel ist die Stadt,

- in der es durch unsensible Vorgehensweise nicht gelang, die von den Nazis nicht zerstörte Synagoge in der Harzstraße als Gedenkstätte einzurichten.
- In der bis zu seinem Tode im November 1971 der ehemalige Ministerpräsident des Landes Braunschweig und verurteilte Nazi-Verbrecher, Dietrich Klagges, Ehrenbürger war.

- In der fast jede Stunde der Stadtgeschichte akribisch in vielen Chroniken dokumentiert ist, außer der Zeit von 1930 bis 1945.

- in der in einer Ortschronik (Ahlum) Geschehnisse aus der nationalsozialistischen Zeit verniedlichend dargestellt werden. Zitat: “Die politischen Ereignisse des Jahres 1933 brachten mit Ausnahme des Wechsels des Vorstehers für Ahlum keine einschneidenden Änderungen, da es auch jetzt wieder wie in ähnlichen Fällen früher mit der der Landbevölkerung eigenen Sachlichkeit an die Beurteilung der neuen politischen Lage heranging.“

In Wolfenbüttel lehnten es Kreistagsabgeordnete zum 40. Jahrestag des 8. Mai 1945 ab, anders als in der Nachbarstadt Braunschweig, eine Gedenksitzung durchzuführen. In der Ausstellung über das 150jährige Bestehen des Landkreises wurde “Wolfenbüttel unter dem Hakenkreuz“ nicht berücksichtigt.
Am 8. Mai 1985 gedachten offizielle Vertreter des Landkreises an einem Kriegerdenkmal Opfern und Tätern zugleich, ohne eine Blume am ein paar Schritte entfernten Ehrenmal für russische Kriegsgefangene oder an den Gräbern der von den Nazis ermordeten Antifaschisten niederzulegen.
Die Hinrichtungsstätte für Widerstandskämpfer sollte abgerissen werden, und in der über den Gräbern der durch das Fallbeil Hingerichteten auf dem Hauptfriedhof wächst nichts weiter als Gras.

In Wolfenbüttel jagen Neonazis mitten am helllichten Tage Andersdenkende durch die Innenstadt, um sie wie 1933 zu verprügeln.

Wolfenbüttel ist aber auch schon ein wenig die Stadt, in der Bürger begonnen haben, die bisher verdrängte Geschichte in die Erinnerung zurückzurufen.
Jürgen Kumlehn“

Seitdem hat sich in Wolfenbüttel im Verhältnis zur Nazizeit sehr viel getan. Es gibt inzwischen sogar ein jüdisches Denkmal an der Bahnhofstraße. Die Pfingsten 2008 erfolgte Schändung und das Desinteresse der Polizei an ernsthaften Ermittlungen zum Auffinden von Tätern erinnern ein wenig an die achtziger Jahre.
Ich möchte an die Worte von Ralf Busch zur alten Synagoge erinnern:
“Die Substanz bleibt erhalten, auch wenn das Baudenkmal verpackt wird. Ein historisches Zeugnis hat Zeit. Es wird eines Tages wiederentdeckt werden können.“

Die Zeit der Widerentdeckung ist nun gekommen. Wolfenbüttel begeht das Jahr der Kirchen. Dieses Jahr könnte zum Ausgangspunkt eines Engagements werden mit dem Ziel, die alte Synagoge von den Rigipswänden zu befreien und das daraus zu machen, was 1985 alle Beteiligten wünschten. Erfüllen wir deren Absichten. Die Zeit ist nun reif!